Überbringen von schlechten Nachrichten

Kurs: 
Deutsch für ausländische Ärztinnen und Ärzte
Themengebiet: 
Kommunikation am Krankenbett
Einheit: 
05.6

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Übungsmaterialien

FEMA - 15196 - Photograph by Mark Wolfe taken on 09-09-2005 in Mississippi

Vgl. dazu : Leitfaden zur Mitteilung schwerwiegender Befunde und Diagnosen (Skript Psychosomatik und Psychotherapie).
Universitätsklinikum Tübingen
http://www.medizin.uni-tuebingen.de/uktmedia/EINRICHTUNGEN/Kliniken/Medi...

und Kayales, Christina: Das Überbringen schlechter Nachrichten. 2013.

Muss der Arzt dem Patienten schlechte Nachrichten mitteilen, dann bedeutet das für die Patientin/den Patienten eine einschneidende Phase für sein Leben. Der Arzt muss aus diesem Grund genau überlegen, wie er sie/ihn über die unheilbare Krankheit, das Versagen der bisherigen Therapie oder das weitere Fort-schreiten der Erkrankung informiert.

Für das wichtige Gespräch sollten folgende Schritte beachtet werden:

1. Persönliche Vorbereitung

- klinische Informationen (Befunde, Laborergebnisse) durchsehen, bereithalten (nicht direkt verwenden)
- sich mental und emotional vorbereiten
- günstigen Zeitpunkt finden (abhängig vom Befinden des Patienten), genügend Zeit einplanen
- Termin mit dem Personal abstimmen
- ruhige Atmosphäre schaffen (keine Mitpatienten, keine Besucher, kein Handy oder Piepser)
- therapeutische Optionen und Prognose klären

2. Gespräch mit dem Patienten

Günstige Bedingungen schaffen

sich ans Bett setzen
Augenkontakt halten
Teilnahme von Angehörigen klären (dem Wunsch des Patienten entsprechend)

 

Den Informationsstand klären

Das Vorwissen des Patienten über seine lebensbedrohende Krankheit, den Krankheitsprozess, die Therapiemöglichkeiten, die Prognose herausfinden.

 

Bevor ich beginne, möchte ich von Ihnen gern erfahren, was Sie bereits über Ihre Krankheit wissen. Was wurde Ihnen bisher über Ihre Krankheit mitgeteilt? Was wissen Sie über Ihre Krankheit?

Das Informationsbedürfnis erkennen

Möchte der Patient detailliert informiert werden, um auch aktiv bei der Therapie mitzuwirken?

 

Worüber denken Sie gerade nach?
Würde es Ihnen helfen, wenn wir darüber sprechen?

Den Patienten informieren

vorsichtig einleiten
an das Wissen des Patienten anknüpfen, dessen Worte benutzen
exakte und zuverlässige Informationen geben
kurze, einfache Sätze verwenden, keine Fachtermini
Pausen zum Verarbeiten machen
dem Patienten Möglichkeiten geben, Fragen zu stellen
Verständnis überprüfen
keine Floskeln verwenden (nicht: Das wird schon wieder. Wir tun alles für Sie.)

 

Ich befürchte, ich habe keine gute Nachricht für Sie.
Leider habe ich Ihnen eine schwierige Nachricht mitzuteilen.
Leider ist die Diagnose sehr ernst.
Leider ist es wahr geworden. Sie müssen operiert werden.
Sie haben ja schon befürchtet, dass Sie Krebs haben. Jetzt bestätigen das leider die Untersuchungsergebnisse.
Unsere Untersuchungen haben die Diagnose einer ernsthaften Herzerkrankung ergeben.
Möchten Sie noch mehr über den Befund wissen?
Gibt es noch etwas, das Sie mich fragen möchten?

Emotionen berücksichtigen nach dem sogenannten NURSE-Modell:

Naming: die Emotionen benennen

 

 

Ist es so, dass Sie doch sehr verzweifelt sind?
Haben Sie jetzt Angst?
Ich merke, dass Sie sehr aufgewühlt sind.

Understanding: Verständnis für die Emotionen ausdrücken

Ich kann verstehen, dass Sie Angst haben.
Ich verstehe, dass Sie diese Nachricht erst einmal verarbeiten müssen.
Ich weiß, das wird eine schwere Zeit für Sie.

Respecting: Respekt gegenüber dem Patienten artikulieren

Ich finde, Sie gehen sehr gefasst damit um.

Supporting: Unterstützung dem Patienten anbieten

Ich kann Ihnen anbieten, dass Sie jederzeit mit mir sprechen können.
Was würde Ihnen helfen, mit dieser Situation besser fertig zu werden?

Exploring: Herausfinden weiterer Aspekte zu Emotionen

Was beschäftigt Sie noch?
Gibt es noch etwas, was Sie sehr belastet?

Weiteres Vorgehen planen

Wenn Sie möchten, kann ich Ihnen erklären, wie wir weiter vorgehen werden.

Gesprächsinhalte zusammenfassen, einen Folgetermin vereinbaren

Wir haben heute ausführlich über Ihre Erkrankung gesprochen.
Ich schlage vor, dass wir morgen um 13 Uhr noch einmal miteinander sprechen. Da haben Sie genügend Zeit, über unser heutiges Gespräch
nachzudenken.

Sie können sich auch folgendes Video auf YouTube ansehen:
http://www.youtube.com/watch?v=MLSOKtDrlLM

 


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Lehrmaterial-Tipp

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